Exit

Okay, die Headline ist populistisch gesehen unterste Schublade und könnte sich auch gut auf dem Titel der BILD-Zeitung wiederfinden. Aber Katzenbabys ziehen immer und seien Sie ehrlich: Ich habe zumindest Ihre Aufmerksamkeit.

Und diese möchte ich nutzen, um Ihnen eine Tatsache vor Augen zu führen, die sogar um ein Vielfaches  dramatischer ist als diese schreckliche Locknachricht. Damit findet der vermeintlich laxe und amüsante Teil dieses Artikels auch schon sein Ende. Und Ende ist das richtige Stichwort: Denn unsere gesamte Spezies – und da schließe ich Sie und mich mit ein – bewegt sich zielsicher und in Höchstgeschwindigkeit auf das Ende zu. Nicht auf das Ende der Welt, sondern lediglich auf das Ende von großen Teilen der Menschheit – oder zumindest auf ein nicht endendes Schreckensszenario.

Ruck nach rechts?

Ein kleiner Sprung zu den aktuellen Geschehnissen: Die Mehrheit der Briten ist gerade auf die haltlosen Versprechungen machthungriger Populisten und feiger Rattenfänger hereingefallen. Dabei spielte ihnen insbesondere die aktuelle Flüchtlingssituation in die Karten und war letztendlich wohl der ausschlaggebende Faktor für den Brexit. Die meisten etablierten Parteien in Europa klagen über ein Erstarken der rechten Gesinnungen und der Protestparteien. Selbst in Deutschland heißt es immer häufiger sogar von Regierungskräften, „das Boot sei voll“ und dass wir wirtschaftlich und gesellschaftlich beim besten Willen nicht noch mehr Flüchtlinge vertragen können. Andere europäische Staaten wie Polen wollen immerhin bis zu 500 auf der Flucht Befindliche aufnehmen und Frankreich sogar 30.000. Aber dann sei es wirklich auch gut.

Klimaflüchtlinge stehen auf keiner Agenda 

All das Klagen über Zuwanderer, das das Nachkriegs-Europa gerade in seine bisher größte Krise gebracht hat, blendet einen entscheidenden Aspekt völlig aus: Klimaflüchtlinge.

Der aktuelle Weltflüchtlingsreport der Vereinten Nationen weist eine Zahl von 65 Millionen Menschen auf, die sich vor allem auf der Flucht vor Kriegen und schweren Konflikten befinden – in Syrien, Afghanistan oder Somalia. Lediglich ein Drittel davon überqueren die Grenzen ihrer Heimatstaaten. Denn keiner verlässt freiwillig sein zu Hause. Wie verzweifelt müssen Eltern sein, die sich mit ihren Kindern, in überfüllten Schlauchbooten mit hoher Todeswahrscheinlichkeit, bei meterhohen Wellen über die Meere wagen? Die Gründe für diese pure Verzweiflung liegen meist in der Angst vor Krieg und Hunger. Doch schon bald werden sich diese Faktoren potenzieren – wenn klimatisch bedingte Krisen zum Tragen kommen.

Unser verbleibendes CO2 Budget

Es ist eine einfache Rechnung mit fundamentalen Auswirkungen, die der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (kurz WBGU) aufgestellt hat.

Nach dem Pariser Übereinkommen vom Dezember 2015 ist eine Begrenzung des Klimawandels auf weniger als 2 Grad Celsius völkerrechtlich beschlossen. Damit nicht schon bald die ersten Inseln im Pazifik versinken, wird sogar eine Reduzierung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 Grad (gegenüber der Vor-Industrialisierung) angestrebt.

Detaillierte Studien des WBGU kommen zu folgenden Ergebnissen wahrscheinlicher Entwicklungen: Soll der Anstieg der Durchschnittstemperatur auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden, haben wir aktuell noch ein Budget von 225 Gigatonnen (Gt) CO2. Bei einem derzeitigen globalen Ausstoß von 35 Gt COpro Jahr bleiben uns demnach noch ca. 6 Jahre, bis dieses Ziel unwiderruflich nie mehr zu erreichen sein wird.

Streben wir dann das nächst kleinere, völkerrechtliche verankerte, Ziel der Begrenzung auf 2 Grad Celsius an, bleibt ein Budget von 825 Gt CO2. (gerechnet ab heute). Das heißt, wenn wir lediglich so weitermachen wie bisher, wird auch dieses Ziel in nur 23 Jahren für immer unerreichbar sein. Und das wird zeitnah fatale Folgen nach sich ziehen.

Doch anscheinend sind die Konsequenzen eines Scheiterns der lebenswichtigen, notwendigen Klimapolitik für uns Menschen nicht plastisch genug. Wie einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands, Prof. Mojib Latif, bereits im vergangenen Jahr auf dem hessischen Klimagipfel prognostizierte, können Metropolen wie Köln oder Mainz in weniger als 60 Jahren zu Küstenstädten werden. Das impliziert leider, dass Norddeutschland, die Niederlande und die meisten anderen Küstenregionen der Welt nicht mehr über, sondern unter dem Meeresspiegel liegen werden.

Der menschliche Tsunami kommt sicher

Zurück zu den Klimaflüchtlingen. Im Jahr 2050 ist allein auf dem afrikanischen Kontinent mit einer Population von 2,5 Milliarden Einwohnern zu rechnen. Doch was passiert, wenn diese Menschen aufgrund klimatisch bedingter Dürren und Missernten in ihrer Heimat verhungern werden? Selbst wenn sich nur jeder zwanzigste von ihnen auf den Weg macht, werden 100 Millionen weder Mauern, noch Flüchtlingsabkommen mit der Türkei davon abhalten können, dort hinzugehen, wo sie Nahrung und Wasser vorfinden – nämlich nach Europa.

Und wir steuern sehenden Auges auf eine solche Katastrophe zu. Wie eine Gruppe gut gelaunter Lemminge stürzen wir die Klippe herunter, obwohl wir jetzt noch die Chance zum Handeln haben. In den letzten 150 Jahren hat die menschliche Spezies unserem Planeten mehr Schaden zugefügt, als in den gesamten vorherigen 3.200.000 Jahren ihrer Existenz. Wir lassen nichts unversucht, die Erde nachhaltig zu zerstören. Und da nehme ich mich selbst nicht aus. Doch wenn wir der Menschheit, der aktuellen und den zukünftigen Generationen noch eine Chance geben wollen, müssen wir sofort unser gesamtes Handeln verändern.

Was nun?

Ein guter Anfang wäre dabei, einen der wesentlichen Bereiche unseres Lebens zum Besseren zu verändern – nämlich unsere Mobilität. Dabei müssen wir sofort unsere verdammte Trägheit und Bequemlichkeit überwinden und die seit der Nachkriegszeit selbstverständliche mobile Ignoranz der unbegrenzten Verfügbarkeit hinter uns lassen. Es wird nicht mehr so weitergehen, dass wir jederzeit mit unseren Verbrennern an die Tankstelle fahren und einfach „voll machen“, um im Anschluss tonnenweise CO2 in die Atmosphäre zu blasen. Mobilität muss als das betrachtet werden, was es ist: Ein kostbares Gut! Der einzige richtige Weg ist ein multimodaler, bei dem wir CO2-neutrale Verkehrsmittel miteinander kombinieren und genau darüber nachdenken, ob die Strecke wirklich überwunden werden muss. Es sei denn, sie wird zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt.

Und wenn wir schon ein Auto benutzen müssen, dann doch bitte wenigstens ein elektrisches.

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